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Kann das weg?! #02


RTL feiert 7 Jahre Beate – Erniedrigung für die Quote!

Das RTL sich im Vor- und Nachmittagsbereich weit von einem Bildungsauftrag entfernt, ist nichts Neues mehr. Eine gescriptete Sendung für niedrig angesiedelte Intelligenzbolzen jagt die nächste. Es stehen jeden Tag 2 Stunden „Die Trovatos“, 3 Stunden „Verdachtsfälle“ gefolgt von den „Betrugsfällen“ auf dem Sendeplan. Im Abendprogramm haben wir dann Lebens- und Schuldenberatung, intime Geständnisse und vorgeheuchelte Liebe bei der „Bachelorette“ sowie 2 Nackedeis bei „Adam sucht Eva“, die es im wirklichen Leben nicht schaffen, angezogen miteinander zu reden. Am Sonntag gibt es dann die Highlights aus der Sendepalette. Versicherungsdetektive decken die Wahrheit auf, Christopher Posch übernimmt irgendwelche Leben, Restauranttester zeigen, wie schlecht sie lügen können und noch bevor das Spielfilmhighlight beginnt, haben wir 2 Personen, die, so könnte man es inzwischen schon vermuten, zum Inventar von RTL gehören. Die Rede ist von Beate & Irene. Mit dem Nebentitel „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ kommt direkt die Frage auf: Muss sie das denn überhaupt?

RTL betritt damit eine neue Stufe der Infantilisierung. Diese Sendung ist an Zynismus kaum noch zu überbieten. In der Sendung wird die schwer vermittelbare Kandidatin Beate aus „Schwiegertochter gesucht“ (noch so ein Produkt, wo man am besten sein Niveau samt Jacke irgendwo hinhängt) zusammen mit ihrer Mutter ans Ende der Welt geschickt. RTL verfolgt und dokumentiert es, aber mit welchem Ziel?

In einer der vergangenen Sendungen (wir haben nur Bilder auf Facebook gesehen) schienen die beiden als Geishas verkleidet gewesen zu sein. Beate und Irene. 32 und 62 Jahre sind sie alt, aber was interessiert das Alter, wenn beide den Eindruck vermitteln, dass sie auf dem geistigen Entwicklungsstand eines Vorschulkindes stehen geblieben sind?

Es kommen Fragen auf. Wie, zum Beispiel, bewältigen die beiden ihren Alltag wenn selbst alltägliche Aufgaben, wie das Kochen von Milch die beiden an ihre eigenen Grenzen führt? Scheint ja genau in das Schema von RTL zu passen, warum der Sender die beiden nach Mumbai oder Tokio schickt.

Was man in der Sendung sieht, schien wirklich vorher noch nie jemand gesehen zu haben, nicht mal bei RTL. Wenn Beate und Irene in unförmigen Gewändern über den Strand von Mumbai schwanken und indische Kinder auf Deutsch anquatschen, wenn sie einem indischen Bauern beim Kuhstallausmisten zur Hand gehen oder an einer Lach-Yoga-Stunde im Park teilnehmen, dann ist es wie eine Begegnung der dritten Art nur, dass man sich bei dieser Art einfach nur fremdschämt. Man denkt an die Teletubbies, jene kugeligen Außerirdischen aus dem Kinderfernsehen, die schon Dreijährige an das Medium heranführen sollen.

Ok, Beate und Irene sind Antennenlos, dennoch haben sie diese runden Körper mit ungelenkigen Bewegungen. Dazu kommt noch ihre Art und Weise zu sprechen. Diese 2-, 3-, 4-Wort-Sätze. „Looki-looki“ oder „Ist alles anders, näää?“ Das erinnert dann doch stark an die Figuren vom Kinderkanal.

Gehen wir noch mal zurück an den Anfang. „Schwiegertochter gesucht“! Eine Reality-Soap die man als Eheberatung für Singles mit, nennen wir es mal vorsichtig ungünstiger Sozialprognose, sehen kann. Die Sendung ist schon mehrfach Zielscheibe für wütende Zuschauerproteste geworden, denn Sie ist dafür bekannt, Menschen am Rande der geistigen Behinderung vorzuführen. Es ist daher wohl kein Zufall das die neue Sendung genau auf dem Sendeplatz ist wo einst noch Vera Int-Veen die Verkupplerin spielte. Sie moderiert nämlich auch diese Sendung, ähnlich wie man es von „Bauer sucht Sau Frau“ kennt. Auch da zimmern alliterationswütige Autoren aus Floskeln ein Weltbild, das ebenso schlicht ist wie das der Teletubbies.

Man weiß nicht, ob der Sender sein Publikum auf derselben intellektuellen Entwicklungsstufe verortet. Jedenfalls geht es jetzt nicht mehr um “kluge Kartoffelbauern”, sondern um “kesse Kosmopolitinnen” oder “kühne Kurzhaarträgerinnen”. Nach sieben Jahren erfolgloser Partnersuche, so begründet RTL dieses Experiment, sei es für Tochter und Mutter eben an der Zeit, den eigenen Horizont zu erweitern, um nachhaltig ihre Chancen auf dem Single-Markt zu verbessern. “Vielleicht ist die häusliche Bayerin einfach zu festgefahren in ihren Vorstellungen und Ansprüchen?”, orakelt der Sender auf eigener Homepage.

An Zynismus ist das kaum zu überbieten. Denn das neue Format gibt sich gar nicht erst die Mühe zu verschleiern, worum es dem Fernsehen eigentlich geht: nämlich darum, Kandidaten in ihrer Bedürftigkeit vorzuführen.

Man sieht zwei Witzfiguren mit rosafarbenen Polaroidkameras vor dem Bauch, die durch eine Welt stolpern, die sie nicht verstehen, und das nicht nur, weil sie kein Englisch sprechen. “Das hat aber eine komische Farbe, das Geschäft”, sagt Irene naserümpfend, während sie ihrer Tochter beim Ausmisten eines Kuhstalls in Mumbai zuschaut. “Bei uns scheißen die grün.”

Spätestens hier hört das Fremdschämen auf, und man ertappt sich bei dem Wunsch, dass die Macher dieses Formats eines Tages in der Fernsehhölle schmoren werden: in der Abteilung “Reality TV”. Selbst die Teletubbies haben mehr Würde als diese beiden Darstellerinnen. Die sind zumindest in den Augen ihrer Zuschauer authentisch. Und sie verabschieden sich in jeder Folge so, wie wir uns jetzt auch von RTL verabschieden wollen: “Winke-winke.” Das kann definitiv weg!